Kommunikativ eskalieren?!

Viele  Themen in der Mitarbeiterführung befassen sich mit der kommunikativen Deeskalation. Natürlich ist eine deeskalierende Kommunikation wichtig - da sind wir uns vermutlich einig. Ein scharfer Tonfall, oder ein falsches Wort können in kritischen Mitarbeitergesprächen negative Auswirkungen haben. Doch wie können Führungskräfte kommunizieren, wenn Mitarbeiter sich den Erwartungen deutlich verweigern oder wiederholt gegen Anweisungen verstoßen?

Was ich in der Praxis manchmal erlebe, ist ein Umschalten von null auf hundert. Nach einer anfänglich kooperativen Kommunikationsweise wechseln manche Führungskräfte plötzlich in einen autoritären, abwertenden Führungsstil. Aus Hilflosigkeit kommt es dann zu offenen oder verdeckten Drohungen:

  • „Wenn das nochmal passiert, dann …“
  • „Mal sehen, ob ich deinen Urlaub genehmige.“
  • „So wirst du bei uns nicht weiterkommen.“

Auch ein Wechsel von der Sachebene auf die persönliche Ebene kommt vor:

  • „Was glaubst du eigentlich, wer du bist?“
  • „Du weist wohl alles besser.
 

Was kann passieren?

  • Der plötzliche Anstieg an Intensität kann Widerstände beim Gesprächspartner auslösen.
  • Durch eine frühzeitige Drohung (egal ob offen oder verdeckt)  ist keine weitere Argumentation mehr möglich. Die Aussage steht. Die Führungskraft muss beim nächsten Fehlverhalten handeln. Jedes Zurückrudern oder Abmildern einer Drohung bedeutet einen Autoritätsverlust.
  • Kritik auf der persönlichen Ebene wirkt oft verletzlich. Die Mitarbeiter merken sich das, bauen vor zukünftigen Gesprächen eine Verteidigungshaltung auf oder schalten innerlich auf Kündigung.

 

Was hilft, ist ein langsames Steigern der kommunikativen „Energie“ auf der Sachebene.

Beispiel: Nehmen wir mal an, ein Mitarbeiter überzieht seine Zigarettenpause. Die Reaktion mit der geringsten Intensität ist der Wunsch (Ich wünsche mir, dass Du ….“). Überzieht der Mitarbeiter die Pause wiederholt, lässt sich die Intensität folgendermaßen steigern:

Wunsch:

„Ich wünsche mir, dass Du in Zukunft pünktlich von der Zigarettenpause kommst.“

Erwartung:

„Ich erwarte von Dir, dass Du deine Zigarettenpause pünktlich beendest.“

Aufforderung:

„Ich fordere dich auf, deine Zigarettenpause pünktlich zu beenden.“

Hier können Sie einen Zeugen einbinden oder die Situation dokumentieren.

Wink mit  Zaunpfahl:

FK: „Was glaubt du passiert, wenn du deine Zigarettenpause wieder überziehst?“

MA: „Ich bekomme Ärger.“

FK: „Willst Du das?“

MA: „Nein.“

FK: „Ich auch nicht. Also, wie verhältst Du dich in Zukunft?“

Drohung:

„Wenn Du deine Zigarettenpause wieder überziehst, bekommst Du eine Abmahnung.“

Sprechen Sie das Beispiel mal laut nach und Sie werden merken, wie sich langsam die Intensität steigert. Trotzdem bleiben Sie auf der Sachebene. Zu keinem Zeitpunkt wird der Mitarbeiter persönlich angegriffen. Er merkt aber, dass es langsam eng wird.

Zugegeben, hier handelt es sich um ein Modell. Es ist nicht sicher, wie Gesprächspartner reagieren. Besonders im Wink mit dem Zaunpfahl kann es zu Trotzreaktionen kommen („Mir passiert nichts.“ oder „Ist mir doch egal.“). Ich finde aber, einen Versuch ist es allemal wert.

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Es freut mich, wenn das Thema für Ihre Arbeit als Führungskraft hilfreich ist.

Viel Erfolg!

Michael Koch